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Prix2000
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Zen
Yasuo Ohba


Zen verdient eine Auszeichnung wegen seiner emotionalen Sensibilität, seiner Schönheit und reinen Poesie.

Diese Arbeit mit dem Titel Zen gibt wieder, was ich, inspiriert von der Umgebung und den Ereignissen rund um mich, denke und fühle. Das dieser Arbeit zu Grunde liegende Konzept lässt sich in Begriffe fassen wie „Kirschblütenzeit“, „Mutation“, „im Nebel“, „Heiterkeit und Dynamik“, „lebhafte Bewegung“, „der Duft des Frühlings“, „Inkonsistenz zwischen Gedanken und Handlung“, „Kettenrekation“, „eine organisierte Welt“, „eine unvorhersehbare Welt“, „das träge Selbst“, „Spannung“ oder „Explosion“. Diese konzeptuellen Begriffe habe ich gewählt, weil sie am besten dem entsprachen, was ich bei der Schaffung dieses Werks gefühlt habe. Die wiederholte Beobachtung der Charaktere des Werks im Verlauf der Arbeit brachte mir Ruhe und die Welt, die ich zu schaffen versuchte, verschob sich langsam in den Bereich der Meditation hinein.



Im ersten Teil des Werks erscheinen viele Charaktere in Gruppen, und zahlreiche haarige Kreaturen tauchen auf und verschwinden wieder. Gegen Ende des Stücks hingegen sind die Bildschirmszenen relativ klar strukturiert – dies mag durchaus auch meinen Zustand reflektieren.

In den Schlussszenen löst sich die Spannung, die sich aufgebaut hat, plötzlich wieder und der Bildschirm zeigt die Essenz der Arbeit, als würden die Betrachter das bisher Gesehene vor ihrem inneren Auge nochmals Revue passieren lassen. Und genau da können die Betrachter jene Form der Meditation erleben, nach der ich gesucht habe.
Das Werk konnte dank eines eigens dafür entwickelten Software-Werkzeugs realisiert werden, das die einfache Manipulation von Charakteren erlaubte – die Gruppe haariger Wesen erschien sozusagen auf Fingerdruck. Dieses Werkzeug erlaubt es, die Bewegung der Gestalten ebenso wie jene der haarigen Kreaturen individuell zu steuern, das Konzept dieser speziellen Welt zu schaffen, Farbarrangements zu steuern und dem Haar der Kreaturen Volumen zu geben.

Darüber hinaus kann die Bewegung der Figuren und haarigen Wesen mit einer einfachen Veränderung von Parametern im Steuerungswerkzeugs kontrolliert werden. Das Werkzeug enthält eine grafische Benutzeroberfläche, in der jeder Parameter über einen Schieberegler manipuliert werden kann, was die rasche Erstellung auch unerwarteter Bewegungen und einzigartiger Ansichten dieser Welt ermöglicht. Ähnlich wie ein Synthesizer zur Steuerung von Ton und Klangqualität verwendet wird, dient dieses grafische Interface zur einfachen Kontrolle von Bewegungen und Strukturen, wobei schon bei seiner Entwicklung der Echtzeitaspekt im Vordergrund stand. Die Charaktere wurden gleichsam mit Leben durchtränkt und ich konnte die erforderlichen Bewegungsabläufe schnell erkennen und realisieren. Dank dieser Techniken war es leicht, die Welt dieser Kreaturen im Computer zu erschaffen und wie mit einer Kamera festzuhalten.

Die Entwicklung dieses Tools erfolgte in mehreren Schritten: Zunächst habe ich ein Grundprogramm geschrieben und zahlreiche Algorithmen zur Steuerung von 16 verschiedenen Kreaturen und der haarigen Lebewesen geschrieben. Für jede davon wurden ausgiebige Bewegungstests durchgeführt, die je nach Bedarf Änderungen und weitere Tests nach sich zogen. Diese Einzelschritte ließen eine Animation entstehen, die das Gefühl einer „schönen“, „spaßigen“ „mysteriösen Welt“ vermittelt, die „nie existiert“ hat.

Nach der Auswertung der 16 Algorithmen wurden zwei als Hauptalgorithmen für das Werk ausgewählt. Diese wurden in mehreren Etappen ausgebaut und weiterentwickelt, bis das Tool nach einer Vielzahl von Bewegungstests so weit gediehen war, dass das eigentliche Stück in Angriff genommen werden konnte. In den letzten Stadien der Werkzeugentwicklung wurden die diversen Bewegungen der einzelnen Charaktere sortiert und kategorisiert und die Struktur der Arbeit festgelegt (allerdings musste ich sie noch einige Male umorganisieren). Schließlich war die Arbeit fertig und es wäre meine größte Freude, wenn Sie das Stück mehrmals ansehen und an jenen Erfahrungen teilhaben könnten, die ich bei seiner Realisierung gemacht habe.