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Prix1999
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Res Rocket
Willy Henshall, Matt Moller


"Res Rocket" von Matthew Moller und Willi Henshall ist eine Software, die es Musikern erlaubt, weltweit und in Echtzeit über das Internet miteinander zu musizieren. Via "Res Rocket" werden Daten im Midi-Standardformat ausgetauscht, und so werden musikalische Kollaborationen über Kontinente hinweg möglich - "Res Rocket" bereitet sozusagen der globalen Jamsession den Weg. Es können ganze Studios in Echtzeit miteinander verbunden werden. Bekannte Musiker wie Sinnead O'Connor oder Thomas Dolby haben bereits an "Res Rocket"-Projekten mitgearbeitet.

Die erste Inkarnation von "Res Rocket" wurde im November 1994 von den beiden erfolgreichen englischen Musikern Willy Henshall und Tim Bran gegründet. Henshall, preisgekrönter Songwriter, Produzent und Bandmitglied bei "Londonbeat", und Tim Bran, erfolgreicher Ingenieur, Produzent und Mitglied der Band "Dreadzone", begannen damals, von ihrem Londoner Studio aus Nachrichten und Soundfiles im Usenet (dem "Schwarzen Brett" des Internet) und später auf einer FTP- und Website zu veröffentlichen. Leute aus der ganzen Welt antworteten und präsentierten ihre Song-Ideen und Klang-Files. Bis Januar 1995 schauten schon rund 600 Mitglieder regelmäßig in dieser kleinen Ecke des Netzes nach. "Die Mailing-Liste war ein Bienenstock voller Humor und Skurrilität, mit Geständnissen, Hinweisen, Tips und Freundschaft", sagt Henshall. "Mittlerweile wurde die Zusammenarbeit auf der FTP-Site intensiver und gleichzeitig konzentrierter." Auch der Name der Gruppe ist Ausdruck einer echten Netz-Demokratie: "Res Rocket" wurde durch allgemeines Votum der Site-Mitglieder aus einer Liste von zehn von einem Computerprogramm zufällig generierten Namen ausgewählt.

Gleichzeitig hatten einige tausend Meilen entfernt - an der Northwestern University in Chicago - die Studenten Matt Moller und Canton Becker das entwickelt, was zur Version 1.0 der Res Rocket-Client-Software werden sollte (und zuvor DRGN hieß). Bald richtete sich die Aufmerksamkeit von Medienorganisationen der ganzen Welt auf diese Software. Die Chicago Tribune nannte Becker und Moller "Lennon und McCartney des Cyberspace". Die beiden musikalischen Pionierpaare kamen in Kontakt, nachdem Becker und Moller die Website von Henshall und Bran besucht hatten und auf einen Aufruf nach musikalischen Mitarbeitern antworteten. Henshall erinnert sich an den "Heureka"-Moment des Quar tetts: "Die erste internationale Jam-Session fand spät nachts im Res Rocket-Studio in Notting Hill (London) statt. Nach ungefähr fünf Stunden ohne Klang ging's plötzlich WUMM - und eine Baßtrommel tauchte aus dem Äther auf und danach eine hinterlistige Grundmelodie im Chicagoer House-Stil. Tim und ich waren außer uns, und wir konnten das Klavier gar nicht schnell genug dazu bringen, einen Part zurückzuschicken. Uns war klar, daß wir das Element gefunden hatten, das uns für eine Online-Musikzusammenarbeit gefehlt hatte."

An diesem Wochenende flog Henshall nach Chicago, um sich mit Moller und Becker zu treffen. Die nächste Inkarnation von "Res Rocket"formierte sich kurz darauf im März 1995, und ab da wurde die Ursprungsversion der DRGN Jamming-Software entwickelt. In jüngster Zeit wurde die DRGN-Soft ware kostenlos von Tausenden von Abonnenten heruntergeladen - und die größte Big-Band der Welt ist seither nicht mehr zur Ruhe gekommen!

Wer hätte vorausgesehen, daß das, was einmal nachts via Internet zwischen London und Chicago passierte, zu einer globalen Musikbewegung heranwachsen würde?