Der zweite Hörspaziergang mit Peter Androsch in Verbindung mit der akustischen Inszenierung Sonotopia gleicht einem Gang auf Wolken. Denn es geht inhaltlich wie räumlich um bzw. durch die Luft. Und zwar die Luft als Schallwellenmeer, das zwischen und in den Gebäuden schwappt. So gesehen sind ArchitektInnen und StadtplanerInnen die wahren SounddesignerInnen, wie Androsch eindrucksvoll vermittelt.
Denn sie gestalten das Klanginstrument Stadt. Im Viertel um den Bischofshof waren ganz außerordentliche Architekten am Werk. Besonders im 18. Jahrhundert. Da formten Jakob Prandtauer, Johann Michael Prunner oder Johann Lukas von Hildebrandt den Sound der Stadt. Ihren Bauten fügte Vincenz Statz im 19. Jahrhundert mit dem Mariendom noch einen besonderen Hallraum hinzu.
]]>Auf einem Hörspaziergang erschließt der Komponist und Hörstadt-Leiter Peter Androsch gemeinsam mit dem Schriftsteller Günther Androsch den Teilnehmenden das historisch gewachsene Viertel rund um den Bischofshof als Klangort. Einen Klangort, den Hörstadt mit Sonotopia im Bischofshof akustisch inszeniert – und der darüber hinaus im wahrsten Sinne beredt Zeugnis von der Geschichte ablegt.
Sei es der fiktive Ort aus Hans Platzgumers letztem Roman Korridorwelt, an dem die Kindheit des Helden Julian Ogert regelrecht explodiert. Sei es das Haus Bischofstraße 7, in dem die Familien Eichmann und Schwager Tür an Tür gelebt haben, woran Micha Shagrir in seinem Dokumentarfilm Bischofstraße 7 erinnert. Oder seien es die barocken Fassaden der Häuser, die regelrechte Bildgeschichten erzählen.
]]>Sonotopia Installation:
DO 4.9.-MO 8.9.2014, 11:00-21:00
Bischofshof
Sonotopia ist die akustische Inszenierung des historischen Bischofshofs in der Herrengasse als Teil und Brennpunkt der klingenden Stadt. „Inszenierung“ ist im Fall von Sonotopia wörtlich zu nehmen. Denn Hörstadt erfindet nichts, sondern setzt lediglich in Szene, was bereits existiert: die Stadt als Klangraum.
Der entsteht durch menschliches Leben in all seinen Varianten im Zusammenspiel mit der realen, gebauten Architektur. Sie hat einen enormen und mitunter subtilen Einfluss auf die Akustik einer Stadt.
Architektur schafft die Räume und Flächen, die Schall formen und reflektieren. Genau das macht Hörstadt, das Linzer Labor für Akustik, Raum und Gesellschaft, mit Sonotopia erlebbar und bewusst.
Anatol Bogendorfer und Peter Androsch von Hörstadt greifen dafür ein Gestaltungsprinzip von Alfred Hitchcock auf. So wie Hitchcock in seinen Filmsets Architektur und einzelne Gegenstände surreal vergrößern oder verkleinern ließ, um sie im Film zur Geltung zu bringen, stilisiert Hörstadt einzelne urbane Klangbausteine zur klingenden Stadt hoch.
Regenrinnen, Kanalsysteme, Fenster und Gewölbe werden zu Musikinstrumenten erhöht und orchestriert. Als tonale Grundlage dafür dienen die Eigenresonanz des Ortes und der einzelnen Klangkörper sowie Daten aus der Historie des Hörortes Bischofshof.
Hörspaziergänge im umliegenden Stadtviertel (Hörspaziergang I: Klingende Geschichte und Hörspaziergang II: Klingende Stadt) und ein Workshop begleiten die Inszenierung.
Konzept: Anatol Bogendorfer (AT), Peter Androsch (AT)
Realisierung: Team Hörstadt (Androsch, Bogendorfer, Margit Knipp, Leo Saftic / AT)
S&V (Viteka, Lorenz, Derschmidt / AT)