Ein medizinisches Beatmungsgerät spielt einen Akkord auf Orgelpfeifen – ein Fragment aus Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem” – wie erstarrt, im konstanten Rhythmus der automatischen Atmung.
Die Tätigkeit dieses künstlichen Organs wirft ethische Fragen auf: Sie thematisiert den freien Willen und die Verantwortung, die Teil dieses mechanischen Requiems sind; und sie ist auch eine Metapher für die Kontrolle, die Menschen der Technologie übertragen.
Ad lib. ist die Abkürzung des lateinischen „ad libitum” und bedeutet wörtlich „nach Belieben”. Sie drückt die Freiheit des Menschen aus, in einem bestimmten Kontext auf Basis seines eigenen Urteils zu handeln. Gleichzeitig ist sie aber auch ein musikalischer Begriff, der den InterpretInnen unterschiedliche Möglichkeiten des Ausdrucks bietet, indem bestimmte Takte der Partitur nach Belieben wiederholt werden können.
Michele Spanghero: www.michelespanghero.com
Für ihre Performance Whose Scalpel nahm Yen Tzu Chang mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen (MRT) ihr eigenes Herz auf. Wir schalten live zum MRT-Laboratorium und gehen mit den Forschern und Forscherinnen präziser auf die Funktionen des MR-Scanners ein, können direkt Fragen stellen und scannen live Früchte. Am Computer können wir mithilfe der aufgenommenen Daten die inneren Strukturen erkennen, ohne das Obst aufzuschneiden. Yen Tzu Chang gibt uns Einblicke in ihre Performance Whose Scalpel und geht mit den ExpertInnen gemeinsam auf die dafür am Scanner aufgenommenen Bilder ihres Herzens ein. Schließlich experimentieren wir selbst am Computer mit medizinischen Bildern vom menschlichen Körper.
Sabrina Haase (DE), Yen Tzu Chang (TW), Bianka Hofmann (DE)
FR 8.9.2017, 15:00-16:30
Treff- und Ausgangspunkt: POSTCITY WE GUIDE YOU Meeting Point
Dauer: 90 Minuten
Sprache: Deutsch/Englisch
Alter der TeilnehmerInnen: 16-25 Jahre
Kosten: kostenlos für Festival- oder TagespassinhaberInnen (limitierte Teilnehmerzahl: max. 30 Personen)