Cornelia Sollfrank on Ars Electronica 2001: The digital revolution and its artist children
Gerfried Stocker Who takes over what? In a talk Cornelia Sollfrank did for Telepolis Gerfried Stocker, artistic director of Ars Electronica, explains where the takeover is taking place.
Wer übernimmt nun eigentlich was? In einem Gespräch mit Cornelia Sollfrank für Telepolis erklärt Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica, wo das Takeover stattfindet.

Cornelia Sollfrank: Wie der Titel 'takeover' bereits deutlich macht, geht es bei der diesjährigen Ars Electronica um die Idee einer Übernahme. Können Sie kurz darstellen, wer genau was übernimmt?

Gerfried Stocker: 'Takeover' bedeutet nicht nur Übernahme, sondern kann auch 'überholen' meinen. Im Sinne der Übernahme kann man sich auf drei Dinge beziehen. Das Eine ist: 'Der Kunstbetrieb übernimmt die Medienkunst'. Das ist toll, das ist großartig. Wir freuen uns, dass sich Medienkunst zunehmend etabliert und im Kunstbetrieb akzeptiert wird, aber leider bleibt auch viel auf der Strecke, weil der Kunstbetrieb in der Form, wie er sich mit Medienkunst auseinandersetzt, nur bestimmte Bereiche und Formen der Medienkunst akzeptiert.

Ein weiterer 'Takeover' besteht darin, dass die Medienwirtschaft große Teile des Kreativpotentials übernimmt, Stichwort Braindrain. Das bedeutet die seit Jahren zunehmend zu beobachtende Tatsache, dass junge Menschen in die Medien-Kreativwirtschaft gehen und damit ein großes Potential derer, die ansonsten in kunstnahen oder künstlerischen Territorien wirksam würden, jetzt anderweitig zum Einsatz kommen.

Ein dritter 'Takeover', wenn auch mehr Wishful Thinking als Hard Fact, besteht darin, dass die Kunst (Anmerkung - Wenn ich über Kunst spreche, spreche ich über zeitgenössische Medienkunst) zunehmend in andere Bereiche eindringt, dort wirksam wird. Strategien der Kunst, bestimmte Handlungsweisen und Prinzipien mit Neuen Medien und Informationstechnologien auf einem hohen Standard umzugehen, werden in andere, nicht-künstlerische Bereiche der Gesellschaft hineingetragen. Das entspricht einer seit vielen Jahren kursierenden These von der Auflösung der Kunst, nicht im Sinne, dass sie sich auflöst und verschwindet, sondern sich vielmehr wie ein Mineral in einer Flüssigkeit auflöst und wirksam wird. Das ist die utopische Version, die wir beim Thema 'Takeover' mitklingen lassen.


 



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