Design is what you get payed for in advance, art is what you get payed for afterwards – one of the definitions of art at the Symposium about the art of tomorrow. (Article only in German)
Design ist, was vorher bezahlt wird, Kunst ist, was nachher bezahlt wird. Eine der Definitionen, die man in den Panels über die Kunst von morgen, dem Thema der diesjährigen Ars Electronica, in Linz hört.
Kunst oder die Zukunft der Gruppendynamik
Markus Mittringer, 5. 9. 2001
Wer also sind die (Kunst-)Macher von morgen? Die Ars Electronica hat mehrere von heute unabhängig voneinander vor Publikum befragt. Wozu eine Arena im Brucknerhaus installiert wurde. Die sich und ihre Ideen Vorstellenden waren rundum projizierterweise sichtbar. In der Mitte harrt täglich eine Sofalandschaft der berüchtigten Publikumsdiskussion.
So weit noch so normal. Nur Moderator Ole Lütjens fiel zukunftsträchtig aus der Einleiterrolle. Weil heute schon überall zumindest ein DJ dabei sein muss, waren auch seine Ansagen von Geräuschteppichen gestützt, wie sie heute ein jeder bessere Flughafen nicht mehr abspielt. Der fesche Mensch im weißen Anzug drehte während des Begrüßungssingsangs betont locker seine Runden. Und tat so heilsverkündend, als wäre er ein TV-Prediger.
Einwände des Publikums entschied er stets freundlich zugunsten der Vortragenden. Die Zukunft der Moderation? Die meisten der nachfolgenden Redner verbaten sich dann aber doch kommentierend untermalende Eingriffe des Toningenieurs und stellten ihre Sache vor. Ruedi Baur zum Beispiel. Der hat ein Institut für interdiziplinäres Design gegründet und kommt darüber hinaus offensichtlich aus der Praxis.
Weshalb er die Generalfrage, wer denn die Kunst von morgen machen würde, mit einem erfrischenden 'nicht mein Problem' erschöpfend beantwortete. Um dann doch einige triftige Gründe anzuführen, warum seine Haltung ihn als Designer auszeichnet. Design ist der Vollzug der Befreiung von der Kunst und deren Geschichte. Sprich: Mit der Freiheit der Kunst kann es heute nicht mehr allzu weit her sein, wo doch ganze Kompendien voller Definitionen vorschreiben, was ein Künstler ist, was er nicht ist und vor allem was er unter keinen Umständen tun darf. Zum Beispiel töpfern in Südamerika und die Vasen dann auch noch voller Stolz ausstellen, so wie er das macht. Design ist alles. Außer eben Kunst, weil die, so Baur, stellt erst einmal ein Werk in den Raum und dann reagieren die anderen.
Tanja Dietzmann, Mitbegründerin der Gruppe 'pReview' sieht das noch einfacher. Design ist, was vorher bezahlt wird, Kunst ist, was nachher bezahlt wird. 'pReview' entwickelt Interfaces und Programme, jegliche Kommunikation zu strukturieren. Ein spacig daherkommendes Tool, um den Workflow aller Mitarbeiter eines Projektes zu veranschaulichen. Effizienz durch Transparez, heißt es da, und Kommunikation ohne Störfaktoren. Kunst? Die Zukunft der Gruppendynamik? Aber gut, es heißt ja die Zeit der ideologiebasierenden lästigen Fragen sei vorbei. Und also kann 'pReview' auch Clips für eine Extremsportgala stylen, die den Übermenschen feiern, als wären sie für die letzte Berliner Olympiade gedacht. Daneben nahm sich die Naivität, mit der Tatsuya Matsui seinen Robotern das Gehen beibringt, in ihnen die Schönheit von Blumen erblickt, nachgerade subversiv an.
Das ist aber auch schon wieder so ein Wort aus der alten Welt. Stuart Maschwitz steht total auf 'das kinetische Element' im Film. Schließlich hat er auch sämtliche Raumschiffe der jüngeren Sternenkriege für Hollywood designt. Aber, 'die haben zu viel Geld, als dass sie sich einen guten Film leisten können.' Er träumt von Filmen mit Niveau, bei denen die Action aber trotzdem brachial ist. 'So als würde sich eine Star-Wars-Folge dem Problem ,Brustkrebs' widmen.' Seine Firma 'The Orphanage Films' entwickelt Technologien, die den Hubschrauberangriff durchs Küchenfenster selbst für den österreichischen Autorenfilm leistbar machen sollten.
Und deswegen wahrscheinlich die beruhigende Musik zwischen den Vorträgen. Und am Abend immer ein Fest oder eine Gala. Und so eine Preisverleihung verträgt eben kein allzu kritisches Umfeld, das könnte die goldene Nica am Ende noch schrecken. And the winner is: Xavier de l'Hermuzière/Philippe Grammaticopoulos mit 'Le Processus' für Computeranimation und digitale Effekte; Ryoki Ikeda mit 'Matrix' für Digital Music; Carsten Nicolai/ Marco Peljhan für das Interaktive Kunstwerk 'polar' und 'Banja, das online-game' für Netvision/Net Excellence.
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