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Ars Electronica 1991
Festival-Programm 1991
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Festival 1979-2007
 

 

Mer Sonic Illuminations


'Liz Phillips Liz Phillips

EINE INTERAKTIVE KLANGINSTALLATION
Dieser Projektentwurf schlägt die Realisierung einer neuen interaktiven Installation vor, unter Verwendung von Sensoren zur Lokalisierung von Fischen, Zusehern, sowie Klang- und Lichtstruktur-Feedback, unter dem Titel Mer Sonic Illumination. Das Grundbild dieser Installation stammt von einem Kindheitserlebnis beim Eislaufen auf einem zugefrorenen Karpfenteich.

Ziel dieser Installation ist die ästhetische Erforschung und Überlagerung von Öko-Systemen – Zeit, Raum und Bewegung. Wir betrachten das empfindliche Leben von Fischen, den Ozean, die Flüsse – und tauchen die Zuseher in diese Erfahrung ein und stellen Fragen zur Zukunft dieser Welt. In der Installation sieht man einen langen Behälter (6' x 15" x 15", d.h. ca. 180 x 45 x 45 cm) mit Fischen, die von vierfarbigem Neonlicht beleuchtet an der einen Raumseite entlangschwimmen. Der Raum wird durch eine Doppelreihe Neonröhren erhellt, die in Höhe des Wasserspiegels und in Augenhöhe um den Raum laufen. Der Raum wird dadurch verändert, daß sich das Licht wie eine Flüssigkeit vor- und zurückbewegt und seine Farbe in den Röhren ändert. Durch Ultraschall-Detektoren wird die Position der Besucher festgestellt (wie in CYMBOL), die Bewegung der Leute verschiebt Farbstrukturen, die ihre Aktivitäten beleuchten und sie werden zu einem wichtigen Element in dieser Klang- und Wasser-Landschaft. Raumklänge in Quadrophonie beschreiben den Raum und die Aktivitäten der schwimmenden Fische und die Bewegung der Zuseher. Die Klänge werden mittels interaktiver Computerprogramme durch digitale Synthese erzeugt und aktiviert. Überraschende Klangereignisse werden zu meditativen und dennoch recht aktiven – fast natürlichen – Klängen. Harmonische Signale rufen physikalische Ereignisse hervor. Anwesenheit und Bewegung der Zuseher und Fische werden als Input zur Veränderung der klanglichen und visuellen Strukturen eingesetzt.

Dies ist meine erste Installation, bei der auch die visuellen Strukturen durch die wahrgenommene Aktivität beeinflußt werden. In Zusammenarbeit mit Kenny Greenberg im letzten Jahr ist es gelungen, die Radio-Frequenz-Steuerung der Neonröhren zu entwickeln und zu verbessern. Durch spezielle Transformatoren an langen Röhren ist es uns gelungen, das Licht über die Spannung so zu steuern, daß der beleuchtete Bereich ausgedehnt und eingeschränkt werden kann. Kenny Greenberg kann auch verschiedene Gase in einer einzigen Röhre mischen und so die Farbe des Lichts ändern. Mit langsamen Veränderungen der Steuerspannung können wir die Farbe einer Form so verschieben, daß die Bilder gleichsam wie Wasser durch einen großen Raum schweben können. Zeit und Raum können über die erglühten Aktivitäten gelegt werden. Erstmalig kann in meiner Arbeit ein paralleles System von Informationen dargestellt und verändert werden, um die im Klang ausgedrückten Live-Ereignisse zu unterstreichen. Da in dieser Arbeit der Klang digital generiert wird, ist es möglich, die Anlage in weniger Zeit und auf kleinerem Raum aufzustellen. Die Arbeit ist auch besser für Reisen geeignet als frühere, weil viele Installationsdetails im Computer abgespeichert und abgerufen werden können.

Aus unseren Experimenten mit Bewegung und der Reaktion von Klang- und Lichtsystemen haben wir erfahren, daß offene Systeme überraschende und dynamische Bilder erzeugen können. Wir haben in einer beengten Laboratoriumssituation gearbeitet, und würden uns freuen, diese Arbeit nunmehr auf größerem Raum und für Zuseher/Mitwirkende gestalten zu können. Ich kann mir auch eine dem jeweiligen Ort angepaßte Variante an einem Fluß vorstellen, mit Fisch- und Gezeitensensoren im Fluß. Eine Garnitur von Neonröhren und Lautsprechern könnte die lokalen Ereignisse darstellen, während ein zweites Set die Ereignisse im Aquarium zeigt. Die Arbeit könnte auch mit einem Display im Freien oder durch ein Glasfenster (drinnen und draußen) gezeigt werden.