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Ars Electronica 1987
Festival-Programm 1987
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Festival 1979-2007
 

 

Klangwiese
Projekt für Ars Electronica, Linz

'Christina Kubisch Christina Kubisch

Computersprache ist heute selbstverständlicher als Naturstimmen. Sampler können jedes beliebige Geräusch nachahmen und in digitale Information umsetzen. Unsere Naturkenntnisse: Erlebnisse vom Bildschirm, Schallplatten mit Tierstimmen, Benzintiger und Reklamepferde. Allerdings: Es gibt noch Elefanten im Zoo. Unser Naturbegriff ist dabei, sich grundlegend zu verändern. Künstliches wirkt echter als "Wirkliches". Es ist typischer, leichter erkennbar, kontrollierbar. Der Ersatz wird zur Selbstverständlichkeit. Die "Klangwiese" besteht aus elektrischen Kabeln, die im Gras versteckt werden und ein Labyrinth bilden. Sie sind Klangträger – jede Struktur enthält Naturlaute, teils echte, teils künstlich erzeugte. Die Klänge werden hörbar durch magnetische Induktion. Mit Hilfe von speziellen elektromagnetischen Kopfhörern kann das Publikum wie mit einem künstlichen Ohr die verschiedenen Klangfelder empfangen. Je nach Bewegungsdichte, Schnelligkeit und Nähe zu den elektrischen Kabeln ergeben sich immer neue Kombinationen von "Naturklängen".

Elektronische Natur – natürliche Elektronik. Nach Absetzen der Kopfhörer kann man sich weiterhin nach Stimmen der Natur umhören – vielleicht …

Christina Kubisch arbeitet seit Jahren mit Klangräumen, die auf magnetischen Induktionsfeldern basieren. Ihre Installationen nehmen immer Bezug auf eine spezielle Raumsituation, sei es im Freien (Wälder, Gärten, Plätze, Meeresstrand), sei es in – meist nicht für Konzertstuationen vorgesehenen – Innenräumen (Schiffswerften, Türme, Schlösser, Fabriken, Kellergewölben etc.).

Ihre neuesten Arbeiten sind Licht-Klang-Räume, in denen sich der Besucher frei bewegen kann. Über ein Netz von elektrischen Kabeln werden verschiedene Klangwege im Raum verteilt und – mit Hilfe eines dafür speziell entwickelten kabellosen Kopfhörers – vom Hörer individuell wahrgenommen. Jede Bewegung, jeder neue Standpunkt, ergibt eine andersartige Kombination der musikalischen Programme – wie bei einem Mixer, dessen Kanäle einzeln oder gemeinsam ständig verändernde Variationen von vorgegebenen Klängen erzeugen können.

Durch die Verwendung von Blacklight-Lampen, deren Licht nur von weißem Material reflektiert wird, wird auch die räumliche Begrenzung aufgehoben. Lichtpunkte formen geometrische Strukturen in der Dunkelheit, signalisieren Klangbahnen, bilden einen imaginären Raum im Raum, in dem jeder mit seinem "inneren" Ohr eigene Klangwelten entdecken kann.