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Ars Electronica 1987
Festival-Programm 1987
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Festival 1979-2007
 

 

Großer Bogen


'Thomas Rother Thomas Rother

1
Ein gebogen gewachsener Fichtenstamm (19,50 m), der durch Schneelast im Laufe seines Lebens sich weiterhin neigte und zum Schluß darunter zusammenzubrechen drohte, ist nach dem Fällen am Boden zwischen zwei Bäume gespannt worden und an seiner Spitze im Laufe von Monaten Zentimeter für Zentimeter weitergebogen worden. Durch den Trocknungsprozeß über ein knappes Jahr ist die Bogenspannung teilweise konserviert worden.
2
Ein Großrohr wird an einem Ende um die Hälfte seines Durchmessers angehoben. Ein Teil des Rohrendes wird dabei so abgetrennt, daß die Schnittfläche der Öffnung senkrecht ist. Der Rohrabschnitt wird in der Mitte geteilt, so daß zwei identische Hälften entstehen. Diese beiden Teilstücke des Rohrabschnittes werden unter den hochgehobenen Teil des Rohres geschoben, das Rohr wird auf diese Teile aufgebockt. Eine erste Skulptur entsteht.
3
Durch die erste Skulptur wird der gebogene Baum geschoben. An der Unter- und der Oberseite der Rohrskulptur werden Öffnungen geschaffen, durch die schräg ein kleines Rohrstück geschoben wird, dessen unteres Ende an einer kleinen Stelle den Boden berührt. Alle Rohrstücke sind miteinander verbunden. Eine zweite Skulptur entsteht.
4
Auf die nach oben zeigende Rohröffnung wird ein dünnes (3/4 mm) Stahlblech montiert. Auf das Stahlblech wird ein schmales, in der Mitte getrenntes Rohrstück als Steg montiert. Von der Spitze des Baumes wird ein Bronzeseil (5 mm Ø) über den Steg geführt; diese Bronzesehne liegt ganzflächig auf dem Steg. Über den ersten Steg wird jetzt ein zweiter Steg montiert, der zwei Millimeter von der Sehne entfernt ist. Die Bronzesehne wird durch den Rohrfuß und den Baumfuß unterhalb des Rohres geführt und am Ende des Rohres mit einem Spannschloß gespannt. Die gewollte Skulptur ist entstanden
5
Die Skulptur wird auf ein Quadrat aus Stahlplatten gestellt und angeschweißt.
6
Beim Zupfen, Streichen, Anschlagen der Bronzesehne tönt die Skulptur. Auch der Wind wird über die Sehne singen.
ZUSAMMENFASSUNG:
Ein gebogener Baumstamm wird schräg durch ein Rohr gesteckt. Von der Spitze des Baumstammes wird eine Sehne über eine Metallmembrane an einem Rohrende gespannt. Die Skulptur erinnert an das älteste Saiteninstrument der Menschheit, das Berimbao, wie es in Brasilien heißt. Zunächst wurde ein Jagdbogen zwischen die Zähne gespannt, Kopf und Mundöffnung dienten als Klangkörper beim Zupfen und Streichen (die alte Maultrommel). Ein trockener, hohler Kürbis, eine Kalebasse, eine Kokosnuß ersetzen später die menschliche Mundöffnung.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Ruhrgas AG Essen, BRD
Stahlwerke AG Essen, BRD
Mannesmann-Röhren-Werk Mühlheim, BRD
Hooymeijer B. V. Vlaardingen, Holland
Erste Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft, Österreich
VOEST-ALPINE AG