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Ars Electronica 1979
Festival-Programm 1979
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Festival 1979-2007
 

 

Zum Geleit!


'Franz Hillinger Franz Hillinger

Die Industriestadt Linz genießt in der Welt der Technik international höchste Wertschätzung. Ihr Name ist in Fachkreisen präsent, die Erzeugnisse ihrer Werke fördern Fortschritt und Wohlstand rund um den Erdball.

Im letzten Jahrzehnt aber hat Linz auch auf kulturellem Gebiet gleichgezogen. Unerläßliche Voraussetzung hiefür war die Schaffung geistiger Zentren, wie wir sie heute in der Johannes-Kepler-Universität, in der Philosophisch-TheoIogischen Hochschule, im Brucknerhaus und in der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung besitzen. Die Stätten der Forschung, der Lehre und der Kunstausübung bereiten den Humus, auf dem das Ansehen einer Stadt wächst, der ihre Ausstrahlung in geistiger und künstlerischer Hinsicht trägt.

Daß Linz besonders allen Ausdrucksmöglichkeiten der Gegenwart gegenüber aufgeschlossen ist und ein feines Gespür für Wert und Unwert zeitgenössischer Kunstformen zeigt, hat sich inzwischen herumgesprochen. Nicht von ungefähr rankt sich deshalb um den festen Kern des 6. Internationalen Brucknerfestes eine bizarre Girlande aus Experimentierfreude: die "ars electronica".

Die Musik gilt weltweit als Sprache, die über alle Grenzen hinweg verstanden wird. In der "ars electronica" ist uns eine neue Klangfarbe zugewachsen, in der die moderne Technik sich mit dem Gedankenspiel des Menschen aufs innigste verbindet und ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Der Mensch hat die Computertechnologie zu einem dienenden Instrument seiner Klangvorstellungen gemacht und damit eine Substanzerneuerung und -erweiterung kreiert, die vorher nicht denkbar war. Ich bin sicher, daß auch diese neue Sprachmelodie letztlich von allen Menschen verstanden wird, läßt sich doch mit Hilfe der Elektronik Musik sogar sichtbar machen, umsetzen in Farbe, Umriß, Strich und Rhythmus, die auf dem Bildschirm mitverfolgt werden können.

Durch keine andere Technologie wäre es denkbar, eine ganze Stadt an der Wiedergabe einer Bruckner-Symphonie teilnehmen lassen zu können. Die "Linzer Klangwolke", aus der die für Quadrophonie elektronisch adaptierte 8. Bruckner auf die Bewohner niederregnet und sie für eine Stunde gleichsam mit dem großen musikalischen Phänomen unseres Landes verbindet, diese einigende Wirkung eines üblicherweise elitären Kunstereignisses danken wir Pionieren wie dem Leiter des Experimentierstudios der Bayerischen Staatsoper München, Walter Haupt, oder dem Anreger und Vorverhandler Professor Hubert Bognermayr.

Es ist das Verdienst der Linzer Veranstaltungsgesellschaft und des Studios Oberösterreich des Österreichischen Rundfunks, dieses und zahlreiche andere Experimente während des Symposions "ars electronica" zu verwirklichen.

Da so ungewohnte Klang- und BiIdphänomene der Erläuterung durch den Fachmann bedürfen, haben sich 20 Wissenschafter, Künstler und Praktiker in Linz versammelt, um der interessierten Öffentlichkeit ihre neuesten Erkenntnisse am Beispiel praktischer Demonstrationen nahezubringen.

Erstmals in Europa wird während dieses Symposions ein Heimcomputer vorgestellt, der auch von Laien als Kunstproduktionsgerät eingesetzt werden kann. Der Phantasie sind also kaum Grenzen gesetzt, und die Bewohner der Stadt Linz haben eine Chance, um die sie von vielen beneidet werden: sie können in Zukunft Jahr für Jahr die neuesten, ernsthaften und verantwortungsvollen Experimente unter sachkundiger Führung in Linz mitverfolgen.

Die Elektronik hat erfreulicherweise als Sprößling des Brucknerfestes in Linz Fuß gefaßt. Als Bürgermeister dieser Stadt kann es mir nur willkommen sein, wenn Kunst und Technik eine glückhafte Symbiose gerade auf diesem Boden eingehen, der im Spannungsfeld zwischen Industrie und Brucknerhaus alle Voraussetzungen dafür zu bieten scheint.

Franz Hillinger
Bürgermeister der Landeshauptstadt Linz