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Prix2008
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Core Sample
Teri Rueb


Core Sample ist ein GPS-gestützter interaktiver Klangweg und eine dazugehörige Klangskulptur, die sich mit Geschichte und Kultur befassen, wie sie in der Landschaft von Spectacle Island enthalten sind oder von ihr suggeriert werden. Das Stück bezieht sich auf das Umland von Boston Harbor, das vom neuen Gebäude des Boston Institute of Contemporary Art an der innerstädtischen Wasserfront einerseits und von Spectacle Island andererseits begrenzt wird, einer früheren Mülldeponie, die durch Auffüllung zu einem knapp vor der Küste sichtbaren Park wurde. Die beiden Sites funktionieren in einer Art Dialog und hinterfragen, was gesehen und was gehört wird, was erfahren wird im Gegensatz zum künstlich Dargestellten.

Die Abfall- und Recyclingwirtschaft des 20. Jahrhunderts hat Spectacle Island so sehr vergiftet, dass der Bereich Ende der 1950er Jahre geschlossen wurde. Nachdem die Deponie mit Tonnen von Abraummaterial aus dem Bostoner Big-Dig-Tunnel-Projekt überdeckt wurde, ist die Insel inzwischen ein öffentlicher Park.

Besucher der Insel leihen sich kleine mit GPS ausgestattete Computer-/Kopfhörer-Einheiten aus und wandern über die Insel, wobei sie Klänge hören, die von der komplexen materiellen und kulturellen Geschichte der Insel inspiriert wurden. Über 250 Klänge sind nach räumlichen und thematischen Gesichtspunkten je nach der Seehöhe organisiert und stellen sozusagen ein metaphorisches Core-Sample dar. Die offenen Kopfhörer erlauben die Verschmelzung zwischen den wirklichen Umweltklängen und den aufgezeichneten Sounds. Abstrakte Klänge und musikalische Kompositionen werden sparsam von gelegentlichen Durchgängen gesprochener Worte unterbrochen, was die Grenzen zwischen Oberfläche und Kern auflöst, zwischen natürlich und künstlich, industriell und organisch, zwischen Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. Die gesprochenen Textpassagen enthalten Interviews mit früheren und gegenwärtigen Bewohnern und Arbeitern der Insel, mit Experten der Deponiesanierung und mit Botanikern, die gestörte Landschaften und Ökosysteme studieren.

Besucher der Founders Gallery im Bostoner ICA treffen auf eine neunundneunzig Fuß große Klangskulptur, die zunächst als Geländer erscheint, das die gesamte Länge der Hafenseite der Galerie einnimmt. Diese durchgehend mit taktilen Treibern versehene Skulptur funktioniert als gigantischer Lautsprecher. Klänge aus der Insel-Installation verbreiten sich allmählich von innerhalb der Form in Abständen, die der jeweiligen Tiefe des metaphorischen Core-Samples entspricht. Die Skulptur lädt zur Berührung ein, zumal sich die Besucher bei Betrachtung des Panoramas gern dagegen lehnen.

Sound design: Peter Segerstrom & Ean White
Sculpture: Teri Rueb with Michelle Fornabai
Fabrication: Charles Mathis

Commissioned by the Boston Institute of Contemporary Art as part of the exhibition &8220;Art on the Harbor Islands&8221;, June 23 &8211; October 7, 2007