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Prix1995
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Passage Sets / One Pulls Pivots at the Tip of the Tongue
William Seaman


Mit der interaktiven Installation "Passage Sets / One Pulls Pivots at the Tip of the Tongue" von William Seaman läßt sich aus der Kombination einer interaktiven Videodisk, eines navigierbaren Gedichtes und eines automatischen Gedichtegenerators ein poetisches Netzwerk erzeugen.

"Passage Sets / One Pulls Pivots at the Tip of the Tongue" kombiniert eine interaktive Videodisc, ein navigierbares Gedicht und einen automatischen Gedichtegenerator, die gleichzeitig zusammenwirken, um ein poetisches Netzwerk zu erzeugen. Das Werk nimmt Bezug auf Architekturbilder, die in und um Tokio (Japan) aufgenommen wurden sie stellen die Vergangenheit und die Gegenwart gegenüber und weisen dabei auf die Zukunft hin; es bezieht sich auf Bilder aus Karlsruhe (Deutschland) einige antiquierte Fahrzeuge queren, halten an und fahren weiter auf ihren Laufbahnen, und auf vorbeiziehende Bildstreifen aus Sydney (Australien); die Natur Zweige / Bäume und verstellte/demontierte Orte / Ruinen der Architektur breiten sich vor dem Betrachter aus.

Studioaufnahmen von einer Gruppe weiblicher und männlicher Tänzer / Teilnehmer, die eine Reihe abstrakter Bewegungen/Gesten generieren, werden auch miteinbezogen. Diese Bewegungen spielen auf zukünftige sinnliche Telekommunikationen über Gestenerkennung an. Das Themenmaterial wird als eine poetische Gruppierung von Träumereien/Projektionen präsentiert, die sich mit Vorstellungen von Sinnlichkeit / Sexualität und Identität im Cyberspace im Gegensatz zur "Natur" der wirklichen Räume, der Entfernungen und des physischen Reisens auseinandersetzt. Eine Serie von "Sets" sich darauf beziehender poetischer Fragmente befindet sich in einem Zustand kontinuierlichen Wandels, der einerseits zufällig erfolgt, andererseits von den Betrachtern gesteuert wird. Die Betrachter sind aktiv an der Entzifferung dieser Bedeutungspartikel beteiligt, die ein gewachsenes Netzwerk der Assoziierung bilden. Diese verschlüsselten Architekturen widerspiegeln eine Überlagerung, einen Zusammenstoß psychologischer Räume.

Die Vorstellung, daß eine Person in einem Teil der Welt mit einer anderswo existierenden Person oder mit computergenerierten Phantomidentitäten auf sinnlich / sexuelle Weise interagieren kann, gibt Anlaß zu einigen Überlegungen. Es ist, als ob der Betrachter in einem Raum steht und einen anderen Raum (als Menüsystem) anschaut, während er in einem überlagerten, alternierenden, poetischen, linguistischen Raum navigiert, der seinerseits verwandelte assoziierende Videoräume auslöst. Gleichzeitig baut ein Gedichtegenerator einen zweiten linguistischen Raum auf, wodurch ebenfalls Assoziierungen ausgelöst werden. Die begriffliche Überlagerung der Gesamtheit dieser Räume definiert ein offenes Werk und erzeugt für die Betrachter einen schwebenden / sich verschiebenden geistigenRaum. Informationstechnologien bilden neue Arten von hybriden Räumen."Passage Sets" macht sich auf poetische Weise Gedanken über dieses potentielle zukünftige Umfeld der Sinneskommunikation und des -austausches.

Ein "Set" von Standbildern bildet eine Serie von Rundblicken aus einer Ansammlung von acht Räumen. Der Betrachter beobachtet dies auf einem Datenprojektor, der als Navigations-Menüsystem dient. Auf jedem der 125 Menübildschirme wird ein Haiku-ähnlicher Teil eines Gedichts als räumliche Collage über das Bild gelagert. Der Betrachter kann in diesen Räume navigieren, indem er den Cursor über verschiedene Teile des Bildes/Bildschirms bewegt. Wenn man eine Aufwärtsbewegung am Bildschirm macht, wird die Perspektive geändert, und der Betrachter schwenkt nach oben; wenn man eine Linksbewegung macht, schwenkt die Kamera nach links; wenn man eine Rechtsbewegung macht . . . dann nach rechts; wenn man eine Bewegung nach unten auf dem Bildschirm macht . .. dann schwenkt die Kamera nach unten. Das Gedicht ist architektonisch/räumlich und funktioniert in jeder Richtung. Man kann außerdem Überblicke über Panoramaansichten betrachten sowie auch zu einer Reihe abwechselnder, gemappter Räume springen.

Der Betrachter erforscht eine Art "Mapping" bestimmter Environments. Worte werden über das Standbild gestreut, präsentiert (und werden dabei zum Teil des Bildes). Wenn man eines dieser Bilder anklickt, wird ein neues Menü aufgerufen. Dieses neue Menü fungiert als Gedichtegenerator. Dieses ausgewählte "Wort" wird in eine der linguistischen Spalten desGedichtegenerators geladen. Für jedes aufgenommene Wort gibt es einen Querverweis auf einen bestimmten visuellen Menübildschirm. Dies wird ebenfalls zu einem Mittel des Navigierens durch die Menüs, zu einem Ort der Assoziierung, der Konstruktion von Bedeutung. Diese Standbilder sehen besonders lebensecht aus, sie haben harte und weiche Oberflächen, sie erinnern an Erde, Zerfall und Abfall.

Der Gedichtegenerator besteht aus vier Listen; zwei senkrechte und zweiwaagrechte. Wenn man den Cursor über bestimmte Teile des Bildschirms bewegt, werden die Listen sichtbar. Man kann sich mittels Bildlaufleisten durch die Listen bewegen, indem man den Cursor links und rechts auf der waagrechten Liste oder auf und ab auf der senkrechten Liste bewegt. Ein Wort nach dem anderen wird aufgeblasen und wird zu einem "aktiven" Wort. Wenn man dieses "aktive" Wort anklickt, kommt man zurück zum Menüstandbild, das dieses Wort enthält. Dieser Prozeß setzt sich mit vier Listen fort, die, wenn sie gelesen werden, neue Haiku-ähnliche Statements bilden. Man kann jedes dieser Worte anklicken, um das Gedicht zu befahren und um das Wort im ursprünglichen Zusammenhang im Gedicht zu betrachten. Dieses Werk stellt eine spannende Form navigierbarer Lyrik dar. Es erforscht eine faszinierende Mischung der Beziehung zwischen Sprache / Bild / Klang. Es bezieht sich auf eine Meta-Art konkret auf Sinnlichkeit / Sexualität in Beziehung zur neuen Medientechnologie.