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Prix1996
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


GOLDENE NICA
Le Renard et la Rose
Robert Normandeau


Die Klangwelt von "Le Renard et la Rose" bietet das, was der Komponist Robert Normandeau ein "Kino für das Ohr" nennt.

"Le renard et la rose" ("Der Fuchs und die Rose") (1995) - es ist Odile Magnan gewidmet - ist eine Konzertsuite, die aus zwei Klangquellen komponiert wurde: aus der Musik, die von Radio-Canada für das Hörspiel nach "Der kleine Prinz" von Antoine de St. Exupéry (produziert 1994 von Odile Magnan) in Auftrag gegeben wurde, wovon wir hier die zwei Hauptthemen nehmen. Die zweite Klangquelle besteht aus den Stimmen der Schauspieler und Radiosprecher, die beim Hörspiel mitwirkten.

"Le renard et la rose" ist der dritte Teil eines 1991 begonnenen Zyklus ("Éclats de voix" und "Spleen" waren die ersten beiden Teile), der ausschließlich mit Stimmen und insbesondere mit Lautmalerei arbeitet. Lautmalerei ist der einzige Fall in der menschlichen Sprache, in dem der Klang unmittelbar einen Gegenstand, eine Geste oder ein Gefühl beschreibt, anstatt das Gemeinte durch abstrakte Darstellungen - sprich: Wörter - mitzuteilen.

Die Themen der Geschichte "Der kleine Prinz" findet man nacheinander: den König, den Geschäftsmann, den Eitlen, die Vogelschar, die Quelle in der Wüste, die kleine Blume, die Rose, die Baobabs, den Laternenanzünder, den Wasserpillenhändler, den Fuchs und den Geograph.

Das Werk teilt sich in fünf Abschnitte, die fünf Zustände des Erwachsenenalters darstellen und mit verschiedenen Klangparametern in Verbindung gebracht werden: Plappern und Rhythmus; Nostalgie und Klangfarbe; Zorn und Dynamik; Niedergeschlagenheit und Zwischenraum; und schließlich innere Ruhe und Struktur.
"Le renard et la rose" wurde für ein Diffusions- system mit 14 Lautsprechern komponiert. Das Originalband sollte einspurig direkt über die Lautsprecher gespielt werden. Im Konzert heißt das, daß für das Stück ein mehrspuriges Tonbandgerät, ein Mischpult, 14 Lautsprecher und zwei Subwoofers benötigt werden.

Die zwei Tonbandgeräte können entweder zwei synchronisierte ADAT oder zwei synchronisierte TASCAM DA88 sein (eines davon spielt die ersten acht Spuren, das zweite spielt die letzten sechs Spuren). Das Mischpult sollte so vielseitig verwendbar wie möglich sein. Mit einem solchen Mischpult könnte man verschiedene Spuren beliebigen Lautsprechern zuordnen. In manchen Konzertsälen könnte dadurch vermieden werden, daß Zuhörer, die weit weg von einigen Lautsprechern sind, Information verlieren. Wäre dies der Fall könnten einige Spuren verdoppelt werden.

Es ist eine ganz andere Art, Musik zu komponieren, wenn die Musik von einem mehrspurigen Tonband gespielt wird, wobei jede Spur über einen anderen Lautsprecher gespielt wird, ohne daß die Tonregler oder die Balance eingestellt werden müssen. Die Verräumlichung des Klangs wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Komposition. Von daher bestimmt der Aufführungsraum nicht nur die sonoren Parameter, sondern auch die Höhe, Länge und Intensität. Deswegen wird das Mischen akustisch und nicht elektronisch durchgeführt.

"Le renard et la rose" wurde 1995 im privaten Studio des Komponisten mit der finanziellen Unterstützung vom Conseil des arts et des lettres du Québec komponiert. Es ist ein Auftragswerk für das Banff Centre for the Arts, gefördert vom Canada Council for the 1995 International Computer Music Conference.